Rund um den Kummerower See2017-05-12T10:20:48+00:00

Exkursion – Rund um den Kummerower See

Archäologische Gesellschaft für Mecklenburg und Vorpommern e. V.

Von Malchin nach Demmin

Radwanderung

Gesamtstrecke: ca. 90 km

Start/Ziel: Malchin

Streckeninformation: überwiegend feste Straßen, nur zum Erreichen der Denkmäler bei Wolkow müssen Landwege befahren werden. Teilstrecken sind zu Fuß zu bewältigen (jeweils bis 4 km).

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1. Malchin

Kirche Malchin (Foto: F. Ruchhöft)

Um 1220 wurde Malchin an einem Peeneübergang angelegt. Die schriftliche Ersterwähnung stammt vom 7. April 1236, als Nicolaus von Werle Malchin das Schweriner Stadtrecht verleiht. Die Werleschen Fürsten hatten ein Festes Haus in Malchin, dessen Reste bei Ausgrabungen erfasst wurden. 1316 werden „slot oc Land til Malkin“ erwähnt. Historischer Vorgänger von Stadt und Burg ist der slawische Burgwall Malchin, heute in landwirtschaftlicher Nutzung in einer Niederung. Wälle sind nicht mehr vorhanden. Die Werlesche Burg am Stadtrand – aber innerhalb der Mauer – wird in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts durch die Malchiner Bürger zerstört („brekinghe es husus to Malchin“). 1372 verkauft Johann von Werle den Wall (= slawischen Burgwall, der noch in Nachfolge seiner Bedeutung für das Land Malchin in Circipanien Landeseigentum war) und die Stätte des fürstlichen Hauses an die Stadt. Alternierend mit Sternberg tagte in Malchin bis zum Ersten Weltkrieg der ständische Landtag Mecklenburgs.

2. Franzensberg Burg

Franzensberg Burg (Foto: F. Ruchhöft)

Spätmittelalterliche Burg am Schwarzen See: Hinter Gülitz liegt an der Westseite der Straße vor dem Eintritt in den geschlossenen Wald ein Parkplatz. Von hier aus erreicht man auf dem Waldweg nach 170 m rechts abbiegend etwas versteckt an dessen Nordseite Wälle und Gräben einer spätmittelalterlichen Burg mit einer offenen Flanke zum Schwarzen See. In einer Urkunde vom 25. November 1317 wird das nahe gelegene Gülitz erwähnt, als Heinrich, Fürst von Mecklenburg, und Nicolaus, Fürst von Werle, das Land Kalen und das Ländchen Hart teilen.

3. Neukalen

Kirche Neukalen (Foto: F. Ruchhöft)

Diese Stadt liegt strategisch günstig an einem Peeneübergang. Darauf deutet auch der Name des slawischen Dorfes, das in der Stadt aufging. Es hieß Bugelmast und enthält den Wortstamm „most“ – slawische Brücke – bedeutend. In Neukalen befand sich einst eine Burg, die aber im Stadtgrundriss nicht mehr nachweisbar ist und auch bisher archäologisch nicht belegt werden konnte. 1281 erhält der Ort in Nachfolge von Altkalen das Stadtrecht.

4. Schorrentin

Frühdeutscher Turmhügel bei Schorrentin (Foto: F. Ruchhöft)

Der Ort ist durch seine mächtige Kirche schon weithin sichtbar. Im Fundament der Kirche ist ein großer Mühlstein unterhalb einer Inschrift sichtbar. In der Kirche ist eine bronzezeitliche Trogmühle als Weihwasserbecken vermauert. Im Ort muss die jetzt stillgelegte Bahnstrecke überquert werden, um auf dem nach Südwesten führenden Weg an der Gemarkungsgrenze zu Lelkendorf den frühdeutsche Turmhügel zu erreichen. Er liegt im Buschwerk versteckt, ist aber von vier schönen Eichen gekrönt. Ein 8 m breiter Wassergraben, teilweise mit einem Erlenkranz an der Außenseite, umgibt den Hügel, auf dem einst ein fester Turm als Burg eines niederadligen Besitzers stand. Somit ist anzunehmen, dass zu der kleinen Burg, eventuell mit Vorburg, auch ein angrenzendes Dorf gehörte, bevor es an die Stelle des jetzigen Ortes verlegt wurde. Zu 1305 ist ein „plebanus Brodekinus in Scorentin“ genannt. Wie bei vielen anderen Turmhügeln auch, trägt die Anlage den stolzen Namen „Schlossberg“.

5. Altkalen

Kirche Altkalen (Foto: F. Ruchhöft)

Nächster Ort der Rundfahrt ist Altkalen. Es ist ein geschichtsträchtiger Ort, hatte aber nur kurze Zeit größere Bedeutung, als noch die alte Handelsstraße „via regia“ dort verlief. Bereits 1174 wird Kalen bei der Dotierung für das Kloster Dargun erwähnt mit See und Burg („stagnum Kalen cum sue urbe Kalen“). 1244 werden bereits „urbs“ und „castrum“, also Stadt und Burg erwähnt. 1253 wird der kleine Ort durch Fürst Borwin von Rostock mit dem lübischen Stadtrecht ausgestattet, aber schon 1281 in das Dorf Bugelmast als Nienkalandt verlegt. Altkalen war ganz umwallt, man kann einen Teil des Stadtwalles noch begehen. Von Schloss und Turm ist in der Koppel hinter der Kirche noch der mächtige Burgberg erhalten der von der Seeseite aus erreichbar ist. Die schöne Backsteinkirche aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ist die älteste in der ganzen Gegend. Sie besticht durch schöne Wand- und Gewölbemalereien und hatte durch den Sitz des Archidiakons des Camminer Bistums eine große Bedeutung. Im Sommer ist die Kirche geöffnet.

6. Glasow

Bei Glasow liegen hinter dem Dorf kurz vor der Einmündung der Straße in die Chaussee Gnoien – Dargun an der Südseite im Walde dicht nebeneinander zwei schöne bronzezeitliche Hügelgräber mit Höhen von 1,8 und 1,5 m. Man parkt am Waldrand rechts von der Straße abbiegend. Von der Parkstelle ergibt sich bereits ein Blick auf den Darguner Burgwall.

7. Dargun

Die Klosterruine Dargun bei Nacht (Foto: F. Ruchhöft)

Der Ort ist aus dem Dorf Röckwitz und dem Kloster zusammengewachsen. Gegenüber der Röckwitzer Kirche führt der Dörgeliner Damm, nach Überquerung des Röcknitz-Baches in den Buchenwald. Gleich am Waldrand ist der Weg zu einem der schönsten mecklenburgischen Burgwälle aus slawischer Zeit ausgeschildert. Auf einem Sporn liegt ganz am Ende des Weges der Ringwall im alten Circipaner Land. Im Wall findet man den jüdischen Friedhof des Städtchens Dargun. In der Nazizeit geschändet, zeigt er sich heute in einem würdigen Zustand. Die Besonderheit des Darguner Burgwalles sind drei mächtige Querriegelwälle mit vorgelagerten Gräben, die von Niederung zu Niederung reichen und bis zum Burgwall an Höhe zunehmen. Offenbar waren die so geschützten Flächen nicht besiedelt, denn es finden sich in einem Bereich drei bronzezeitliche Hügelgräber. Drei weitere Gräber findet man vor dem äußersten Wall.

Am Ende der langgestreckten Ortslage liegen die Ruinen des einstigen Klosters. Es wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört und ist in Teilen wieder aufgebaut und denkmalpflegerisch gesichert worden. Die Dänen eroberten 1168 Rügen und das anschließende Land der Circipanen. Dadurch gehörte das Gebiet zunächst zum Bistum Roskilde, später zu Cammin. 1172 wird das Kloster von Mönchen aus der dänischen Abtei Esrom von einem Abt und zwölf Mönchen gegründet. Das Kloster wird mit zahlreichen Orten bewidmet, viele werden von dem Zisterzienserkloster gegründet. In den Kriegswirren gehen die Mönche 1199 nach Hilda (Eldena) bei Greifswald. 1209 erfolgt die Neubesetzung, nunmehr vom Kloster Doberan aus.

Vom Kloster sieht man heute die Umfassung und die teilweise mit einem Notdach versehene mächtige Kirche sowie die einstige Klausur in barocker Umgestaltung mit dem großen Innenhof/Klostergarten. Das Torgebäude ist modern wieder aufgebaut und enthält unter anderem eine Ausstellung zur Klostergeschichte. Von den Außengebäuden des Klosters sind das Brauhaus und der sogenannte „Hengstenstall“ erhalten, in dem sich jetzt „Uns lütt Museum“ befindet.

8. Upost

Ein Wegweiser an der Chaussee Richtung Demmin führt nach Upost. Hier liegt im Wald an einer Wegespinne ein sehenswertes Großsteingrab. Nach Ausgrabungen 1968 wurde es rekonstruiert. Es enthielt zahlreiche Grabbeigaben verschiedener Keramiktypen und mehrere Feuersteinbeile und -meißel.

9. Wolkow

Der nächste Anlaufpunkt sind die Wälder südlich Wolkow an der Peeneniederung. Nach Durchquerung des Ortes folgen wir dem Weg am Waldrand nach Südwesten und biegen nach etwa 1 km auf einer Schneise nach Süden ab, um auf fünf bronzezeitliche Hügelgräber zu stoßen. Das größte der Gräber ist durch eine Erläuterungstafel markiert. Dem Weg weiter folgend erreichen wir einen slawischen Burgwall, den sogenannten „Hohen Wall“. Es ist dies ein eindrucksvolles Denkmal oberhalb der Peene. Auch hier befindet sich eine Schautafel. Zurück zum Weg Richtung Wolkow biegen wir nach etwa 600 m an einer Schneise ab, die in einen Waldweg mündet. An der Nordseite des Weges liegt ein großer Schälchenstein, dessen Oberseite dicht mit kleinen eingeriebenen Schälchen bedeckt ist. Es ist dies ein Findling, der in der Bronzezeit bei kultischen Handlungen eine Rolle spielte. Eine Schautafel befindet sich an dem Stein. Zurück zur Zufahrt von Wolkow folgen wir dem nach Osten führenden Weg und erreichen nach etwa 1,5 km einen weiteren slawischen Burgwall, den sogenannten „Weißen Wall“. Wegweiser führen um den Wall zum alten Tor mit einer Erläuterungstafel. Dieser Wall liegt dicht an der mecklenburgisch-pommerschen Landesgrenze. Dem Weg am Wall folgend überqueren wir bei günstigem Wetter die Grenze zwischen Mecklenburg und Pommern und gelangen nach kurzer Fahrt durch das Devener Holz in die alte Hansestadt Demmin. Ist der Weg unpassierbar, erfolgt die Rückfahrt über Wolkow – Deven – Demmin.

10. Demmin

Demminer Luisentor (Foto: F. Ruchhöft)

Der vielfach historisch erwähnte Ort Demmin wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs stark zerstört und teilweise ohne Berücksichtigung des alten Straßenrasters neu bebaut. 1249 wird die Stadt erstmals als „civitas“ erwähnt, 1283 ist sie Mitglied der Hanse. Die frühen Erwähnungen beziehen sich jedoch auf den Burgwall „Haus Demmin“. Er zeigt sich in strategisch günstiger Lage an der Mündung der Tollense in die Peene. In slawischer Zeit bestand die Anlage aus einer Hauptburg mit großer Vorburg, die durch mächtige Wälle gekennzeichnet sind. Bemerkenswert ist, dass die Hauptburg die Wassergräben hinter den Wällen an der Innenseite aufweist. Wegen der Lage in den Flussniederungen wären Außengräben auch nicht möglich gewesen. 1128 sucht Otto vom Bamberg auf seiner zweiten Pommernreise auch Demmin auf. 1147 wird sie im Wendenkreuzzug belagert und als slawische Burg 1163 zerstört. Aus der Hauptburg wurde jedoch eine frühdeutsche Befestigung herausgeschnitten, beträchtlich erhöht und mit einer sehr starken steinernen Burg bestückt. Sie ist zeitweilig Herzogssitz der Linie Pommern-Demmin und wird 1631 zerstört. Der Innenraum der Hauptburg wurde später durch ein jetzt ruinöses Gutshaus bebaut.

 

Man erreicht Haus Demmin über einen Damm, dem ausgeschilderten Husar-Schulz-Weg, der zwischen der Stadt und dem Ortsteil Vorwerk nach Westen abzweigt. An diesem Damm liegt eine kleine zweiteilige Turmhügelburg, die sich jetzt recht unscheinbar mit dem kleinen grabenumgebenen Burghügel und dem weitgehend überbauten Wirtschaftshof präsentiert. Hier mag ein Vasall der Herzöge seinen Sitz gehabt haben.

11. Verchen

Das Kloster Verchen wurde zunächst 1239 in Klatzow bei Altentreptow auf dem Marienberg gegründet und von dort 1245 auf den Marienwerder bei Verchen verlegt, bis endlich der dauerhafte Sitz in Verchen erfolgte, wo der Konvent des Benediktinerinnenklosters 1269 einzog. Die Marienkirche überragt deutlich den Ort und dominiert den Klosterbereich. In der Kirche sind die Glasmalereien, die Kanzel und Wandmalereien sowie der Altar besonders hervorzuheben. Auffallend ist der Kirchturm an der Längsseite der Kirche, der in der Form eher einem Stadttor gleicht. An der Außenseite zwischen Turm und Chor ist eine bronzezeitliche Trogmühle als Weihwasserbecken eingemauert. Das Amtshaus, jetzt Jugendtouristhotel, und das zugehörige mittelalterliche Brauhaus künden von der einstigen Größe der Klosteranlage.

12. Kummerow

Blick auf die Burg Kummerow (Foto: F. Ruchhöft)

An der Kirche vorbei, in deren Innenraum eine bronzezeitliche Trogmühle als Weihwasserbecken vermauert ist, findet man oberhalb des Sees die Reste einer starken Befestigung. Es war einst eine pommersche Landesburg an der Grenze zu Mecklenburg. Der Innenraum ist leider bebaut, doch ergibt sich von der Seeseite aus ein imposanter Anblick auf die Wallreste. Zu 1276 wird Ludolf Maltzan aus Cummerow erwähnt, 1324 lesen wir „castrum cummerowe“. Sehenswert ist das Herrenhaus mit Umgebung. Kummerow wurde einst als Städtchen geführt.

 

Gleich hinter der Wegekreuzung nach Malchin und Maxfelde liegen an der Ostseite der Straße nach Maxfelde spätmittelalterliche Hochäcker als Zeugen einstigen Ackerbaus, als die Felder in langen, bis zu 20 m breiten Streifen aufgepflügt wurden. Diese mittelalterliche Wirtschaftsform hat sich fast nur noch in Waldgebieten erhalten, die gleich nach Aufgabe der Äcker der Forstwirtschaft zugeführt wurden. Die alten Fluren sind stark überwachsen und nur schwer auszumachen.

13. Leuschentin

Fahren wir über Maxfelde nach Süden, treffen wir in der Leuschentiner Forst an der Waldecke auf weitere Hochäcker. Sie sind wegen ihrer Form auch als Wölbäcker bekannt.

Diese Exkursion haben die Archäologische Gesellschaft für Mecklenburg und Vorpommern und das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege mit Unterstützung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern erarbeitet.

© Archäologische Gesellschaft für Mecklenburg und Vorpommern